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Rauhnächte im Böhmerwald

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time Gepostet am 2020.11.02, 01:53 Uhr          chart 277 Besuche

Heut is Rauhnacht ihr Lieben.
Die Allerseelennacht ist vom 1. November auf den 2. November. Sie galt im Bayerischen Wald und im Böhmerwald als Rauhnacht, in dieser Nacht hatten die Toten freien Lauf. Dieser Glaube geht auf die germanische Religion zurück. Die Germanen glaubten, dass in dieser Nacht die Toten ihre Gräber verlassen dürfen, deshalb war es ratsam, das Haus nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu verlassen, denn diese Nacht gehört nicht den Lebenden.
Laut alten Erzählungen heißt es, dass hier um Mitternacht in den Kirchen eine Messe für und mit  den Verstorbenen ist. Wer sich heimlich in die Kirche schleicht, kann die Toten der Gemeinde dort sitzen sehen, aber er sollte aufpassen, dass er nicht erwischt wird, diese wandelnden Toten würden ihn an Ort und Stelle zerreißen.
Früher wurde in dieser Nacht besonders stark eingeheizt, man war der Meinung, dass sich die "armen Seelen", die für ihre Sünden die kalte Pein leiden müssen, aufzuwärmen dürften. Die kalte Pein leiden Seelen, die nicht ins Jenseits wechseln dürfen, sie müssen tagsüber in dem kalten, feuchten Grab liegen und in der kalten Nacht ruhelos umhergeistern. Nur in der Allerseelennacht dürfen sie sich aufwärmen.
Wer in der Allerseelennacht am Friedhof vorbeigeht, der kann auf der Friedhofsmauer die verstorbenen Kinder sitzen sehen, die dort eingegraben wurden.
Bestimmte Orte waren in diesen Nächten besonders zu meiden, wie Totenbretter, Friedhöfe, Marterl und Unglücksorte. Alles, wo sich etwas mit dem Tod abgespielt hat, soll in dieser Nacht gemieden werden, da sich hier besonders die armen Seelen aufhalten.
Die katholische Kirche übernahm einen Teil des alten Glaubens und nannte den 2. November Allerseelen, er war den Seelen der Verstorbenen des vergangenen Jahres geweiht.
Werde euch auch die weiteren Rauhnächte erzählen, wenn euch das interessiert.
Euer Isle.



gender Garibaldi
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Garibaldi
time Gepostet am 2020.11.04, 09:31 Uhr

Hallo Isle Kumpel, mich würden die anderen Rauhnächte auch interessieren. Klasse geschrieben!



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time Gepostet am 2020.11.05, 08:54 Uhr

Ja kann ich machen Gari, kann euch auch über den Tillenberg Geschichten erzählen oder Sagen die im Böhmerwald so entstanden sind früher.
Vor allem in den kalten Jahreszeiten saßen die Leute in ihren Stuben und erzählten sich schauerliche Sachen. Aber es waren auch wahre Geschichten mit dabei und Halbwahrheiten. Diese Geschichten faszinierten mich schon immer und wenn ich durch die Wälder gehe denke ich oft an diese.
Euer Isle



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Jonas 24
time Gepostet am 2020.11.05, 15:42 Uhr

Hallo Isle, hört sich ja spannend an, würde mich über eine Fortsetzung auch freuen



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time Gepostet am 2020.11.06, 07:03 Uhr

Also ihr Lieben hier die Sage von der langen Katerine.
In einigen Gegenden im Böhmerwald geht eine schreckliche Sagengestalt um, die die lange Katerine genannt wird. Man findet sie vor allem zwischen Königsberg und Sokolov. Die lange Katerine soll eine dürre alte Frau mit zerzausten langen schwarzen Haaren sein, sie wird oft an Gewässern gesehen, meistens an der Eger, aber man sah sie auch schon am Ufer des Jesenice Sees. Dort wäscht sie Wäsche oder kämmt ihre Haare. Wer sie anspricht, den zieht sie ins Wasser und ertränkt ihn gnadenlos. Auch erzählt man sich, dass sie Männern, die zu spät vom Wirtshaus heimgehen, auflauert und sie dann mit ihren Fingernägeln und ihrem Kamm blutig kratzt. Die Menschen in diesen Gegenden hatten früher viel Angst, wenn sie Nachts über Brücken gehen mussten, weil sie glaubten, die Katerine lauert unter der Brücke und schnappt sie, wenn sie die Brücke überqueren. Laut einer alten Sage soll die lange Katerine früher, als sie noch ein menschliches feminines Wesen war, eine sehr reiche, eitle und geizige Frau gewesen sein, die sich nur um ihr Aussehen gekümmert hat und die armen Menschen verspottete. Als sie starb, kam sie nicht ins Himmelreich, sondern musste auf der Erde umgeistern, bis sie ihr altes Leben bereut hatte. Oft liegen dann an der Eger am Ufer zerrissene Tiere. Diese, so glaubt man, sollen von der langen Katerine gefangen und getötet worden sein.
In der Nacht kann man in diesen Gegenden oft ein schreckliches Gekreische an den Eger hören. Dies soll die lange Katerine sein, die auf ihre Opfer lauert.
Auch gibt es eine Sage, in der die lange Katerine um Semmeln bittet, wer ihr keine gibt, den zieht sie ins Wasser und ertränkt ihn. Wer ihr aber welche gibt, den lässt sie mit einem „Vergelts Gott“ passieren.
Tja ihr seht die lange Katerine war keine Gute. Also passt auf wenn ihr über Brücken geht die in Wälder sind.
Wenn ihr möchtet erzähle ich euch noch weitere Sagen aus meiner Heimat.
Euer Isle



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time Gepostet am 2020.11.28, 06:57 Uhr

Hi ihr lieben hier wieder eine Sage aus meiner Heimat.
Es geht um den Totenmann am Bach.
Bei Neumugl gibt es einen Bach, der auch Totenbach genannt wird. Dieser Name geht auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. Die Schweden kamen nach Neumugl und plünderten das Dorf und brannten es nieder. Es wurde danach nie mehr aufgebaut. Da die Einwohner ihnen nicht viel geben konnten wurden diese bestalisch umgebracht. Es soll an diesem Bach ein Massaker stattgefunden haben, das klare Wasser des Baches färbte sich rot vom Blut der Opfer. Die Leichen wurden später in einem Massengrab verscharrt. Nun kann man in bestimmten Nächten, oft in den Rauhnächten, einen dunkel gekleideten Mann an diesem Bach entlanggehen sehen. Alle die ihm begegnet sind, beschreiben ihn  als Mann mit einem fürchterlich entstellten Gesicht, so dass sie alle Reißaus genommen hatten, obwohl der arme Mann keinem was tat. Er kniet sich vor die Leute und bittet sie, ihm ein Grab zu geben. Viele glauben dass dies die ruhelose Seele eines der Getöteten ist, er will auf sein Massengrab aufmerksam machen und in geweihter Erde umgebettet werden. Erst dann finden er und auch die anderen ihre ewige Ruhe. Diese Geschichte hat mir der Dampferl Sepp mal erzählt.
Euer Isle 


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