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Wrestling

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Sora
time Gepostet am 2025.08.12, 01:11 Uhr          chart 30 Besuche

Erklärt mir jemand das ganze mit RAW, WWE usw

Ich hab gemerkt da kennen sich einige aus und irgendwie ist das hier beliebt 


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Macadamia
time Gepostet am 2025.08.12, 11:21 Uhr

Aber gerne doch.

Wrestling war natürlich anfangs, vor vielen Jahrzehnten, eine Art Zirkus- und Rummelattraktion. Große kräftige Männer, die Showkämpfe abliefern. In den USA wurde es im Lauf der Zeit zu einem Geschäft - und zwar aufgeteilt in verschiedene Territorien. Bestimmte Städte und Gegenden waren Hotspots des Wrestling, und verschiedene Organisationen bildeten sich. Ein Gentlemen's Agreement sorgte dafür, dass man sich die größten Stars (diejenigen, die bei den Zuschauern die größten Reaktionen hervorriefen, egal ob positiv oder negativ - "Jede PR ist gute PR"wink nicht abwarb.

Kleiner Exkurs: Im klassischen Sinne gibt es Babyfaces bzw. Faces - das sind die Guten, für die die Leute jubeln; und Heels - das sind die Bösen, die Antagonisten. Beispielsweise in den USA einstmals ein Typ wie Hulk Hogan, der für das glorreiche Amerika stand, und den Leuten sagte, sie sollen brav beten und ihre Vitamine zu sich nehmen. Als Gegenpart baute man v.a. ab den 70ern und 80ern gerne "ausländische" Bösewichte (foreign heels) auf. The Iron Sheik ("der eiserne Scheich"wink etwa, oder Nikita Koloff (Prototyp "böser Sowjet"wink. Und weil die Amis so auf sich selbst zentriert sind, konnte man ihnen sogar Kanadier oder Franzosen als "böse Fremde" unterjubeln. Das klappt sogar heute noch - der Bulgare "Rusev" wurde vor Jahren als Russe und glühender Anhänger von Vladimir Putin eingeführt.

Richtig Fahrt aufgenommen hat das Business in den 1980ern. Vince McMahon, der Besitzer der territorialen Liga WWF (World Wrestling Federation), dachte sich "Scheiß auf Abmachungen" und versuchte alles, die größten Stars, damals v.a. Hulk Hogan, für sich zu gewinnen - mit Erfolg. Gleichzeitig wurde die WWF (heute bekannt als WWE, World Wrestling Entertainment, nach einem Namensstreit mit dem World Wildlife Fund WWF) ein Massenphänomen, dank einer großen Kooperation mit dem Kult-Musiksender MTV. Zahlreiche Mainstream-Stars wurden herangeholt, etwa Mr. T (B.A. Baracus vom A-Team), Sängerin Cyndi Lauper, Football-Stars und mehr.

So etablierte sich die WWF/WWE als absolute Hausmarke - vor allem mit der mittlerweile jährlich stattfindenden Großveranstaltung WrestleMania, die größer und toller sein sollte als alles andere. Im Hauptkampf ("Main Event"wink trafen Hulk Hogan und Mr. T auf die "bösen" Paul Orndorff und Roddy Piper (berühmt für seinen Schottenrock und eine große Klappe; sowie aus dem Film "They Live" / "Sie leben" mit dem Kultspruch "I have come here to chew bubblegum and kick ass... and I'm all out of gum"wink - mit keinem geringeren als Muhammad Ali als Gast-Ringrichter.

In den 1990ern nahm die WWF eine Führungsposition in der Wrestling-Welt ein, nach einem langen Zweikampf mit dem Hauptkonkurrenten WCW, der schließlich pleite ging und übernommen wurde. Stars wie Hulk Hogan, Bret "The Hitman" Hart, "Macho Man" Randy Savage, Ric Flair oder The Undertaker wurden überlebensgroße Figuren, neue Match-Arten eingeführt, Rivalitäten gepflegt und durch professionelle Autoren geplant.

Ein kleiner Einwurf hier: Ja, natürlich sind die Kämpfe geskriptet, das Ergebnis steht vorher fest. Allerdings ist die Anstrengung, die körperliche Belastung und das Verletzungsrisiko natürlich real. Als Wrestler lernt man als ERSTES, richtig zu fallen - und das ganze echt aussehen zu lasen. Die Besten im Geschäft sind nicht nur physisch fit, sondern auch gute Schauspieler, sowohl was das Darstellen der Kämpfe angeht, als auch den Umgang mit Worten. Denn Trash Talk darf natürlich nicht fehlen, sowohl im Match als auch davor und danach, sowie in "Promos" - meist kurzen Videos, die einer Ansprache gleichen, in der man über seinen Rivalen herzieht, sich (noch) mehr als gut oder böse positioniert, und die Story, die Spannung, vorantreibt.

1993 führte die WWF eine regelmäßig wöchentlich stattfindende Show ein: RAW. Dabei finden Matches statt, Promos, Interviews (die natürlich auch die Rivalitäten und Stories weiterführen), und mehr. Heutzutage tourt RAW quer durch die USA, jede Woche in einer anderen Stadt - und teilweise auch außerdem der USA, denn der internationale Markt wird immer wichtiger. 1999 kam eine weitere wöchentliche Show hinzu: Smackdown. Heute findet RAW montags (Monday Night RAW) und Smackdown freitags (Friday Night Smackdown) statt - zwischendurch waren auch andere Tage angesetzt. RAW ist bis heute die am längsten laufende wöchentliche Episodenshow... da können GZSZ und Co. nicht mithalten.

Ende der 90er und Anfang der 2000er erlebte die WWE (die Umbenennung von WWF zu WWE war 2002) einen kulturellen Wandel. Die Zeiten hatten sich geändert, eine neue Art Helden und Bösewichte war gefragt. Nicht der "komplett gute", brave Typ, sondern "coole" Helden... so wie "Stone Cold" Steve Austin, ein glatzköpfiger Texaner, der sich gegen die Autorität stellte (in Form des WWF/WWE-Chefs Vince McMahon), auf einem Quad zum Ring gefahren kam, und sich nach dem Match erstmal ein Bier gönnte. Oder "The Rock" - heute auch unter seinem Namen Dwayne Johnson als hochbezahlter und beliebter Action-Schauspieler bekannt.

Spannend wird es, wenn Babyfaces (die Guten) oder Heels (die Bösen) nicht ihrer Linie treu bleiben. Man stelle sich vor, die Guten "verraten" ihre treuen Fans und Verbündeten und sorgen für große Schockmomente. Oder ein "Böser" sieht seine Fehler ein und wird (wieder) gut. Solche Momente werden speziell geskriptet, und je nach Zuschauerreaktion können daraus besondere Ereignisse entstehen - oder auch echte Flops.

In der heutigen Zeit ist die Grenze sogar fließend. Neben Faces und Heels gibt es auch "Tweener" - diejenigen, die irgendwo dazwischen stehen, vielleicht eher auf eigenen Vorteil bedacht. Dazu ist es natürlich auch für die Fans mal "cool", einen Bösen anzufeuern, wenn der "Gute" zu uninteressant und langweilig rüberkommt, und die eigentlich eingeplanten Babyfaces auszubuhen. Die Dynamik hat sich gerade in der Welt von Social Media ein gutes Stück verschoben.

Heute ist die WWE ein Milliardengeschäft und der Name "World Wrestling Entertainment" (weltweite Wrestling-Unterhaltung) wahrer als je zuvor. Merchandising sorgt für riesigen Einnahmen, WWE-Stars treten immer öfter in Filmen auf, große Shows finden in Australien, Frankreich, Großbritannien oder auch Deutschland ("Bash in Berlin" letztes Jahr, 2024) statt. Eine große Kooperation mit Saudi-Arabien mit 2 großen Veranstaltungen im Jahr dort wird von Fans zwiespältig angesehen - aber auf 50 Millionen pro Show wird die WWE sicherlich nicht einfach verzichten.

Die Stars der WWE sind ebenso international. Bis letzte Woche war ein Österreicher mit dem Kampfnamen "Gunther" der World Heavyweight Champion - bereits zum zweiten Mal. Kanadier, Schotten, Iren, Mexikaner, Australier, Engländer, Japaner, oder auch ein Deutscher (mit dem unglaublich modernen Kampfnamen "Ludwig Kaiser"wink. Bei den Frauen zählen zu den größten Stars die Iron Becky Lynch, die Australierin Rhea Ripley, die Japanerin Iyo Sky, oder die aufstrebende Chilenin Stephanie Vaquer.

Ja, auch Frauen kämpfen im Wrestling-Ring. Lange Zeit, bis vor etwa 10 Jahren, oft belächelt, und von alten weißen Männern als "Divas" oder in Unterwäsche-Kämpfen als Belustigung nebenbei abgetan - doch seither zeigen die Wrestlerinnen beeindruckende Leistungen, die den Männern in nichts nachstehen. Ein absolut gleicher Status ist nach wie vor nicht erreicht, so wie in vielen anderen Sportarten auch - doch die Leistungen lassen keinen Zweifel daran, dass Frauen-Wrestling die gleiche Anerkennung verdient wie das klassische Männer-Wrestling. Außerhalb der WWE gibt es sogar öfters "Intergender"-Matches, in denen Frauen und Männer gegeneinander antreten - und wo die Frauen "ihren Mann stehen". Die WWE sieht diese Art von Matches jedoch immer noch skeptisch.

Apropos außerhalb der WWE: Die größte Konkurrenz (mit einigem Abstand) ist die Liga AEW (All Elite Wrestling), die 2019 ins Leben gerufen wurde. Das Grundprinzip ist ähnlich wie die WWE, mit wöchentlichen Shows und regelmäßigen Großveranstaltungen. Auch in der AEW tummeln sich zahlreiche hochtalentierte und beliebte Athleten.

Eine besondere Wrestling-Kultur gibt es in Mexiko: Das "Lucha Libre" (quasi: freier Kampf). Die "Luchadores" sind oftmals sehr athletische Kämpfer, die zu spektakulären Aktionen tendieren, etwa "Flugaktionen" von der Ringecke. Ein besonderes Merkmal sind die Masken, die viele von ihnen tragen - viele bleiben anonym unter ihrem Pseudonym. Der Verlust der Maske ist gleichbedeutend mit dem Verlust der eigenen Ehre und der Identität.

In Japan gibt es ebenfalls große Ligen und eine andere Art von Wrestling herrscht vor. "Strong Style" ist hier etwa beliebt - angelehnt an klassische Kampfsportarten mit harten Tritten und Schlägen (die natürlich meistens nur vorgetäuscht sind; hier kommt wieder das Schauspieltalent des Gegners zum tragen). In Japan ist es auch nicht üblich, während der Kämpfe zu jubeln - die Zuschauer genießen das Spektakel und klatschen anschließend höflich Beifall. (Wobei auch das heutzutage ins Wanken gerät.)

Zum Abschluss - ich weiß, das war viel wink - noch ein Ausflug zu den Stilarten. Wie erwähnt, pflegen gerade Mexikaner und Latinos einen oft spektakulären Stil mit vielen Aktionen vom Seil oder der Ringecke. Diese Athleten sind "High Flyer". Darüber hinaus gibt es "Techniker", die oft vom klassischen Ringkampf kommen, und etwa auf Griffe, Überwürfe und Aufgabe-Manöver setzen. Der bekannteste Typus ist sicherlich der klassische "Striker", meistens größere muskulöse Kerle, die aufeinander einprügeln. (Das typische Bild, das man als Nicht-Fan im Kopf hat.) Die Extremvariante davon sind sehr große Männer, die oft als quasi unbesiegbar dargestellt werden - einstmals eine Attraktion, heute eher ein Grund zur Langeweile; wenn jemand sowieso nicht verliert, welchen Sinn macht es dann?

Eine letzte Bemerkung: Die Herangehensweise ist auch unterschiedlich. Manche, wie einst "Macho Man" Randy Savage, planen ganze Kämpfe komplett durch - auch wenn sie eine Stunde dauern. Das ist heute auch der Standard, wenn auch in einer leichteren Form; etwas Improvisation geht immer. Andere, wie der extrem beliebte CM Punk, verlassen sich auf das Verständnis mit dem Partner im Ring, und improvisieren generell sehr viel, je nachdem, wie sich das Geschehen entwickelt, wie die Fans reagieren usw. Ein Spezialfall sind Verletzungen in einem Kampf - sobald ein Wrestler ein gesundheitliches Problem signalisiert, wird der Kampf entweder vom Ringrichter abgebrochen oder, falls es die Art der Verletzung zulässt, ein schnelles Ende herbeigeführt - etwa durch die schnelle Ausführung eines "Finisher" des Gegners, einer besonders starken Spezialaktion des Gegners, die in den meisten Fällen storymäßig das Ende des Matches einläutet.

So, das wär's erstmal als großer Überblick. ^^ Ja, ich hab wohl ziemlich ausgeholt, aber bei den vielen Mythen und Vorurteilen zum Thema Wrestling war das für mich der richtige Ansatz. Weitere Fragen beantworte ich gern - solange nicht wieder langweilige "Das ist doch alles nicht echt, alles Fake" kommt. Ob ihr's glaubt oder nicht... das ist bekannt und macht mit den Reiz des Spektakels aus. Im Großen und Ganzen ist es eine Seifenoper - Charaktere, Rivalitäten, Betrug, "Liebe", Freundschaft und Verrat... aber eben mit einem großen Fokus auf die Physis.


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Macadamia
time Gepostet am 2025.08.12, 16:37 Uhr

Wer sich ganz ohne das heutige Drumherum von WWE (und all den aktuellen Stories und Leuten) mit dem Thema Wrestling beschäftigen möchte, dem lege ich die großartige Serie HEELS ans Herz. Verfügbar bei Amazon Prime Video im MGM+ Abo, das 7 Tage kostenlos getestet werden kann. Wer also 2 Staffeln mit je 8 Folgen (je knapp 1h) in einer Woche bingen kann, kriegt es quasi kostenlos. wink

In HEELS geht es um eine kleine lokale Wrestling-Liga in Familienhand, mit all den Problemen in einer typischen Kleinstadt im Süden der USA (Georgia). In den Hauptrollen Stephen Amell (v.a. bekannt als Superheld "Arrow"wink und Alexander Ludwig (Ragnar's Sohn Björn Lothbrok aus "Vikings"wink als ungleiche Brüder. Hier lernt man viel über die Begeisterung der Zuschauer, das Geschehen hinter den Kulissen wie das Erstellen der Stories und Drehbücher, Charaktere etc. Darüber hinaus ist es einfach generell eine sehr gut gemachte Serie mit guten Darstellern, unabhängig vom Wrestling-Hintergrund.


Für den Trailer hier ein paar Begriffsklärungen:

Heat (dt. "Hitze"wink: Die negativen Reaktionen, die ein Heel (Bösewicht) von den Zuschauern erntet... das kann erwünscht sein oder auch nicht. Es kann die Reaktion auf einen Heel sein, der seinen Job richtig gut macht und das Publikum gegen sich aufbringt. Oder alternativ auch eine natürliche Reaktion, wenn jemand einfach verdammt schlecht ist ("go away heat"wink.

Character: Der Charakter, den der Wrestler verkörpert. Quasi die Rolle, in die man schlüpft.

"Kayfabe": Der Fachbegriff für das Aufrechterhalten der Illusion, dass man eben jener Charakter IST, und ihn nicht nur spielt. Das Vortäuschen der Echtheit des ganzen Drumherum. Früher sind z.B. Kontrahenten, auch wenn sie sich eigentlich gut verstanden, auf keinen Fall miteinander gereist; für den Fall, dass Fans sie zusammen sehen könnten.

Valet (dt. "Kammerdiener"wink: Die meist weibliche Begleitung eines Wrestlers, ursprünglich nicht mehr als Eye Candy, ein Hingucker.



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time Gepostet am 2025.08.12, 23:26 Uhr

Ich danke dir von Herzen für die Hilfe 


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