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Eine Mutter – Drei Optionen Teil 1

time Gepostet am 2026.05.02, 17:48 Uhr          chart 11 Besuche

Liebe Userinnen und User, ich stelle euch eine dramatische Geschichte vor, in der eine Mutter drei Optionen hat und jede Option mit dem Tod endet.

Unter dem Titel 

Eine Mutter – Drei Optionen 

Der Planet Uta fühlte sich für Annabell vom ersten Atemzug überwältigend schön an. Der Himmel spannte sich in einem tiefen, fast unnatürlichen Blau über eine endlose Kette von scharf gezackten Gipfeln, die wie steinerne Wellen in den Horizont ragten. Für eine erfahrene Bergsteigerin wie sie war dieser Ort kein Urlaub im klassischen Sinne, sondern eine Einladung – eine Herausforderung. Neben ihr standen ihre beiden Töchter, Josie (16) und Sina (14 Jahre alt), eingehüllt in ihre neue Ausrüstung; ihre Augen waren voller Neugier, aber auch mit einem Hauch von Unsicherheit, den sie zu überspielen versuchten. Annabell wollte das erste Mal ihren beiden Töchtern die Bergsteigerei nahebringen. Behutsam, fast ritualartig, überprüfte sie die Gurte ihrer Töchter, zog Riemen fest, kontrollierte Karabiner, bis alles perfekt saß; jede ihrer Bewegungen war geprägt von jahrelanger Erfahrung und der stillen Angst, die jede Mutter kennt, wenn sie ihre Kinder in eine Welt führt, die sie selbst liebt, aber nie ganz kontrollieren kann. „Heute wird euer erster richtiger Aufstieg“, sagte sie schließlich, ruhig, aber mit Nachdruck, während sie die beiden Seile ihrer Töchter an ihrem eigenen Gurt befestigte. Josie verdrehte leicht die Augen und murmelte: „Mama, warum seilen wir uns gegenseitig an? Du hast doch gesagt, der Aufstieg wird nicht schwierig.“ – „Mein Schatz, das oberste Gebot bei der Bergsteigerei ist das gegenseitige Sichern.“ Vor ihnen zog sich der schmale Pfad entlang an einer steilen Felswand, nicht gefährlich genug, um Angst zu machen, aber auch nicht harmlos genug, um unachtsam zu sein; und als Annabell schließlich den ersten Schritt machte und ihre Töchter ihr folgten, ahnte sie nicht, dass dieser Tag ihr Leben verändern würde.

Die ersten zwei Stunden auf dem schmalen Pfad verliefen beinahe trügerisch ruhig, als hätte der Planet Uta beschlossen, sich von seiner sanften Seite zu zeigen, um Vertrauen zu gewinnen. Die Schritte der drei hallten gedämpft über den festen Fels, während sich rechts von ihnen die steile Wand erhob und links der Abgrund wie ein stilles, lauerndes Nichts in die Tiefe fiel – über zweihundert Meter hinab in eine zerklüftete Landschaft aus Schatten und scharfkantigem Gestein. Ein leichter Wind strich über ihre Gesichter, kühl und trocken. Sina begann sich zu entspannen. Ihre Bewegungen wurden lockerer, fast verspielt, und sie bemerkte mit einem vorsichtigen Lächeln, dass es viel einfacher sei, als sie gedacht hatte. Annabell erwiderte ruhig, dass das nur daran liege, dass sie den Weg kenne – ein Satz, der gleichzeitig beruhigen und warnen sollte. Josie hingegen blieb plötzlich stehen. Ihr Blick hatte sich fest an etwas geheftet, das sich auf der gegenüberliegenden Felswand bewegte. Es war so ungewöhnlich, dass selbst Annabell kurz innehielt, als sie ihrem Blick folgte: ein schlankes, fremdartiges Tier, dessen Körper fast durchsichtig wirkte, als würde es mit dem Gestein verschmelzen und nur durch leichte Bewegungen seine Existenz verraten. „Was ist das?“, flüsterte Sina fasziniert. Josies Neugier war sofort stärker als jede Vorsicht. Beinahe hypnotisiert machte sie einen Schritt näher an den Rand des Abgrunds, obwohl Annabells Stimme sofort schärfer wurde: „Komm sofort vom Rand weg!“ Doch Josie wollte es genauer sehen; sie wollte dieses Wesen betrachten, das so anders war als alles, was sie kannte. Sie trat noch ein Stück weiter vor, bis ihre Stiefel nur noch wenige Zentimeter von der brüchigen Kante entfernt waren. „Schaut mal!“, rief sie begeistert, ihre Stimme erfüllt von Staunen. Noch bevor Annabell reagieren konnte, rannte Sina impulsiv zu ihrer Schwester, getrieben von derselben Mischung aus Neugier und jugendlicher Unbeschwertheit. „SOFORT ZURÜCK!“, schrie Annabell, jetzt laut, scharf, beinahe panisch. Doch in genau diesem Moment durchzog ein trockenes, unheilvolles Knacken die Luft – und der Boden unter den beiden Mädchen gab nach.

In dem Moment, als der Boden unter Josie und Sina nachgab, hörte Annabell in Todesangst ausgestoßene Schreie ihrer Töchter, während deren Körper ins Leere fielen. Sie reagierte nicht bewusst, sondern rein instinktiv – ihr Körper handelte schneller, als ihr Verstand begreifen konnte. Sie ließ sich mit aller Kraft nach hinten auf den Rücken fallen. Im selben Augenblick schoss ein brutaler Ruck durch ihren ganzen Körper, so heftig, dass die Luft aus ihren Lungen gepresst wurde. Das volle Gewicht ihrer beiden Töchter riss sie in Richtung des Abgrunds. Der Boden unter ihr bestand aus losem Geröll, das sofort nachgab. Steine lösten sich und rutschten klappernd in die Tiefe, während Annabell verzweifelt versuchte, sich irgendwo festzukrallen. Doch ihre Finger fanden nur kleine, lose Steine, die ihr durch die Hände glitten. „MAMA!!!“, hallte Sinas panischer Schrei von unten herauf. Josies Stimme überschlug sich vor Angst: „Ich rutsche! Ich rutsche!“ Annabell spürte, wie sie selbst Zentimeter um Zentimeter nach vorne gezogen wurde. Ihr Rücken schrammte über den harten Boden, ihre Kleidung riss auf, während sie verzweifelt die Fersen in den Untergrund presste. „Haltet euch ruhig! Nicht bewegen!“, schrie sie. Ihre Füße tasteten blind über den Boden, suchten Halt – und dann, fast im letzten Moment, fanden ihre Stiefel eine schmale Kante im Fels. Ein winziger Vorsprung bot genug Widerstand, um das Rutschen zu bremsen. Ihr Körper ruckte ein letztes Mal, dann kam ihr Körper zum Stillstand. Das Gewicht ihrer Töchter hing wie eine unerbittliche Last an ihrem Gurt, während ihr ganzer Körper zitterte und ihr Atem in panischen Stößen ging. Für einen Augenblick herrschte eine unnatürliche Stille, nur unterbrochen vom leisen Rieseln kleiner Steinchen und dem keuchenden Atem einer Mutter und ihrer beiden Töchter.

„Mama…?“, Sinas Stimme kam dünn und brüchig aus der Tiefe. „Ich bin hier“, antwortete sie heiser, doch ihre eigene Stimme klang fremd in ihren Ohren, gepresst zwischen Schmerz und wachsender Panik. Sie spürte das Gewicht an ihrem Gurt – das Gewicht beider Mädchen. Jede kleine Bewegung war ein Zerren an ihren Muskeln, die bereits zu brennen begannen. „Könnt ihr euch irgendwo an der Wand festhalten? Irgendetwas finden?“, rief sie angestrengt. Doch Josies Antwort kam sofort, gepresst und verzweifelt: „Nein! Wir hängen zu weit von der Wand entfernt!“ Ein leises Schluchzen folgte, dann Sinas Stimme, panisch und immer höher werdend: „ICH RUTSCHE … MAMA, ICH RUTSCHE!“ – „NICHT BEWEGEN!“, schrie Annabell schärfer, als sie wollte, weil sie spürte, wie die Seile minimal nachgaben. Ein feiner Schweißfilm legte sich auf ihre Haut, ihre Arme begannen unkontrolliert zu zittern. In ihrem Kopf begann das, was sie als Bergsteigerin immer gefürchtet hatte – die nüchterne, kalte Rechnung, die keine Hoffnung kannte, nur Fakten: Zwei Körper. Ein Haltepunkt. Sie wusste, ihre Kraft würde nicht reichen. Nicht für beide. Vielleicht nicht einmal für einen. „Mama … du lässt uns doch nicht fallen, oder?“, flüsterte Sina schließlich. Diese leise, fast kindliche Frage traf Annabell härter als jeder Ruck zuvor. Für einen Moment konnte sie nicht antworten. „Nein“, sagte sie schließlich unter lautlosem Weinen, während ihre Hand langsam, fast gegen ihren eigenen Willen, zu ihrem Gürtel glitt, wo das Messer steckte. Ihre Finger legten sich darum. Drei Möglichkeiten drängten sich in ihr Bewusstsein – klar, brutal, unausweichlich. Keine davon führte zu einem guten Ende, während unter ihr ihre Töchter hingen: wartend, hoffend, ohne zu wissen, dass ihre Mutter in diesem Moment zu begreifen begann, dass sie nicht beide retten konnte. Vielleicht, aber nur vielleicht, schaffte sie es, Sina hochzuziehen – sie war fünf Kilo leichter als Josie.


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