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Trauerbewältigung

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Florescence
time Gepostet am 2026.09.20, 13:24 Uhr          chart 22 Besuche

Hallo ihr Lieben,

in Gedanken an unsere liebe Vampi sind wir momentan vereint. In dem Sinne habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob es nicht vielleicht auch sinnvoll sein könnte, einen Thread zu eröffnen, der den generellen Umgang mit dem Tod thematisiert und aus dem man etwas für sich mitnehmen kann. 

Ich habe mir die Zeit genommen, um etwas zu recherchieren und versucht, ein paar Informationen zusammenzutragen, die vor allem in einer akuten Trauerphase nützlich, leicht verständlich und im Alltag umsetzbar sind.

Auch ihr seid herzlich dazu eingeladen zu teilen, was euch persönlich bei der Bewältigung eines Trauerfalls hilft oder bereits geholfen hat.

Hintergrund

Trauer hat viele Gesichter und kann sich auf unterschiedliche Art und Weise zeigen:

  • sehr starke Traurigkeit, tiefe Sehnsucht, körperliche Erschöpfung, innere Unruhe sowie zeitweise Gefühle der Leere oder der Gefühllosigkeit (z.B. nicht weinen "können"wink
Dabei können auch widersprüchliche Gefühle auftreten
  • Wut, Schuld, Erleichterung, Ruhe 
Auch gute Momente, in denen man sich über etwas freut sind möglich. Oft fühlen sich Trauernde durch diese widersprüchlichen Gefühle zusätzlich belastet und/oder machen sich Vorwürfe. Jedoch sind diese Gefühle Teil des normalen Trauerprozesses und dürfen zugelassen werden. 

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Annahmen über die Trauer
Früher ging man davon aus, dass Trauer in verschiedenen, aufeinanderfolgenden Phasen verlaufen würde. Mittlerweile wird der Trauerprozess im Wesentlichen über zwei "Orientierungen" beschrieben:
  • Verlustorientierung: Betroffene beschäftigen sich vorwiegend mit dem Tod, der Erinnerung an die verstorbene Person oder denken über ungeklärte Fragen nach. Diese Phase ist oft gekennzeichnet von Gefühlen des Schmerzes und der Sehnsucht nach der verstorbenen Person.
  • Wiederherstellungsorientierung: hier steht die Bewältigung des neuen Alltags im Vordergrund. Rollen und Aufgaben werden neu organisiert, Kontakte zu anderen Menschen gepflegt. Oft können kurze Pausen der Trauer zugelassen werden und den Betroffenen gelingt es nach und nach, neue Perspektiven zu entwickeln. 
Trauernde pendeln oft zwischen diesen beiden Prozessen. Man geht davon aus, dass es sich hierbei um einen gesunden Regulationsprozess handelt. 
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Hilfe zur Selbsthilfe
Was kann ich als trauernde Person konkret tun, um mit dem neuen Zustand zurechtzukommen?

Idee der fortbestehenden Bindung

Die verstorbene Person muss nicht komplett losgelassen werden.
Oft ist es möglich, nach und nach eine andere Form der Beziehung zu ihr aufzubauen.

"Du bist nicht mehr da, aber das, was du für mich bedeutet hast, darf bleiben
Trauer kommt und geht in Wellen 

Gefühle der Trauer kommen und gehen.
Auch nach einigen Wochen und Monaten ist ein Tag der Trauer kein Rückschritt.
Gute Gefühle dürfen zugelassen werden.

Gefühle konkret benennen


Anstelle eines "Es geht mir gerade schlecht", Gefühle konkret benennen: 

"Ich fühle mich gerade überfordert, weil [...]"
"Ich habe momentan Angst vor... [...]"

Andere Menschen mit einbeziehen


Schon kurze Gespräche können helfen

"Ich weiß, du kannst meine Probleme gerade nicht lösen - bitte höre mir einfach 10 Minuten zu"
Kleine Alltagsanker setzen

Alltägliche Routinen beibehalten oder einführen (regelmäßig Essen, schlafen, kleine Spaziergänge),
Kontakte zu anderen Betroffenen pflegen oder aufbauen
und sich regelmäßig selbst etwas Gutes tun (z.B. Buch lesen, Bad nehmen).

Routinen dienen der Selbststabilisierung
Dosiert erinnern 


z.B. Fotos ansehen, eine Kerze anzünden, Musik hören, Erinnerungsorte gestalten oder aufsuchen.
Dabei kann es auch helfen,
bestimmte Vorgehensweisen zu ritualisieren, wie z.B. das Schreiben eines Briefes an
die verstorbene Person einmal im Jahr zu ihrem Geburtstag. 

Danach bewusst wieder in die Gegenwart zurückkehren.
Bewusste Trauerpausen einlegen

Fernsehen, arbeiten, lernen, sich mit Freunden treffen, Sport treiben.
Gute Momente bedeuten nicht,
dass einem die verstorbene Person unwichtig geworden ist.

Bewusste Trauerpausen sind ein Zeichen dafür,
dass man für sich einen Weg gefunden hat,
sich in der neuen Situation langfristig zurechtzufinden. 

Entlastung bei Organisatorischem 


Formalitäten, der Haushalt,
aber auch soziale Erwartungen anderer Menschen können überfordern
und sind während eines akuten Traueranfalls oft schwer zu bewältigen. 
Daher auch konkrete Anfragen an das Umfeld richten und Hilfe annehmen!

"Kannst du mir heute Essen vorbeibringen?"
oder
"Kannst du mich zu diesem Termin begleiten?"

Körperliche Alarmzeichen ernst nehmen 

Dazu gehören z.B. Schlafprobleme, Herzklopfen, Veränderungen des Appetits,
Konzentrationsprobleme oder starke Müdigkeit.
Man spricht in einem solchen Fall von einer "akuten Belastungsreaktion".

In einem solchen Fall kann hausärztliche Unterstützung sinnvoll und angemessen sein! 


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time Gepostet am 2026.09.20, 13:32 Uhr

Lesetipps
Die folgenden Bücher habe ich mir empfehlen lassen. Da ich sie nicht selbst gelesen habe, kann ich deren Qualität nicht sicher beurteilen. Ich habe mir aber Rezensionen (auf Amazon) dazu angeschaut. Sie scheinen von vielen Betroffenen gut angenommen und als hilfreich empfunden zu werden.

"Warum hast du uns das angetan?"(Chris Paul) 

  • Hilfreich bei intensiven, widersprüchlichen oder schwer erklärbaren Gefühlen
"Meine Trauer wird dich finden" (Roland Kachler)
  • Hier steht der Fortbestand der inneren Beziehung zu der verstorbenen Person im Vordergrund
"Einen geliebten Menschen verlieren" (Doris Wolf)
  • Alltagsorientierte Trauerhilfe, die konkrete Impulse für die erste Zeit und Hilfe beim Umgang mit Gelasteten Gedanken anbietet 
"Es ist okay, wenn du traurig bist" (Megan Devine)
  • Umgang mit "gut gemeinten" Ratschlägen in einer nicht ganz so verständnisvollen Umwelt 
Weitere Informationen könnt ihr auf der Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft "Trauerbegleitung" erhalten. 


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time Gepostet am 2026.09.20, 14:00 Uhr

Aufsuchen professioneller Hilfe
Dies ist mit Sicherheit der sensibelste Punkt. Es gibt individuelle und kulturell unterschiedliche Vorstellungen von einer "normalen Trauerreaktion , Dennoch ist es wichtig, bestimmte Entwicklungen zu thematisieren, die einen ersten Hinweis darauf liefern können, dass die Bewältigung des Verlustes nicht so gelingt oder Betroffene "ungesunde" Strategien entwickeln, die zu kurz- oder langfristig negativen Konsequenzen führen können. 

  • Die Bewältigung des Alltags gelingt nicht mehr: Arbeit, Ausbildung, Studium aber auch die eigene Körperpflege, Schlaf und notwendige soziale Kontakte werden auf ein Minimum reduziert oder ganz eingestellt. 
  • Vollständiger Rückzug und Vermeidung: alles, was an den Verlust erinnert, wird gemieden und der Lebensraum nach und nach immer weiter eingeengt. 
  • Todesumstände des Verstorbenen drängen sich immer weiter auf: z.B. in Form von belastenden Bildern, Albträumen, Angstreaktionen.
  • Die Sehnsucht oder die gedankliche Beschäftigung mit dem Verstorbenen bleibt dauerhaft stark ausgeprägt: und führt langfristig zu deutlicher sozialer, beruflicher und persönlicher Beeinträchtigung. 
  • Ungesunde Bewältigungsstrategien: Alkoholkonsum, Selbstmedikation, Substanzmissbrauch werden zunehmend eingesetzt, um Gefühle auszuschalten. 
  • Schuld, Selbstvorwürfe, Wut oder Hoffnungslosigkeit dominieren den Alltag: andere (positive) Erfahrungen, werden kaum noch zugelassen. 
  • Gedanken drängen sich auf: z.B. nicht mehr leben zu wollen oder bei der verstorbenen Person sein zu wollen. Hier sollte zeitnah professionelle Hilfe aufgesucht werden! 
An der Stelle nochmal ein Hinweis zu mir beim Umgang mit suizidalen ("selbstmordgefährdeten" Menschen
Wenn jemand davon spricht, sein Leben beenden zu wollen, sollte dies in der Regel auch ernstgenommen werden. Solche Äußerungen können Ausdruck großer psychischer Not sein. Die Annahme, dass Menschen, die offen über ihren Suizid sprechen, ihn in der Regel gar nicht erst ausführen oder nur Aufmerksamkeit wollen, ist ein gefährlicher Mythos! Auch ist es in der Regel in Ordnung, behutsam nachzufragen und Selbstmordabsichten offen anzusprechen. Oft wirken solche Gespräche bei Betroffenen, die bereits darüber nachgedacht haben, ihr Leben zu beenden, entlastend! Auch die Annahme, dass das Ansprechen oder generell Gespräche über den Suizid, suizidale Gedanken verstärken oder ihn erst auslösen, gilt mittlerweile als überholt!

Erste mögliche Anlaufstellen
  • (In akuten Fällen): 112 anrufen; Telefonseelsorge (0800 111 0 111); psychiatrische Notfallaufnahmen 
  • Hausarztpraxis aufsuchen 
  • Psychotherapeutische Sprechstunden 
  • Lokale Trauergruppen oder regionale Krisendienste 
Alles Liebe
Flores 


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